Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie

Fachausschuss Forensik

der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP)

Stellenausschreibungen

Aktuelle Stellenausschreibungen finden Sie auf der Homepage der DGSP e. V.

EX-Knackis helfen Jugendlichen: Radiofeature des WDR.

Wie erfahre ich, wie das Leben im Gefängnis ist? Entweder selbst eine Straftat begehen oder aber ... mit den Leuten vom Verein "Gefangene helfen Jugendlichen" reden. Wie die Präventionsarbeit funktioniert, hat Eva Wolk erfahren.

Was finden Kinder und Jugendliche cool? Zum Beispiel Knarren, dicke Karren, schnell verdientes Geld – ist das cool? Nein, sagen Eltern, Lehrer*innen, Politiker*innen. Aber wen interessiert die Meinung der sogenannten Erziehungsberechtigten? Das ist bei den Mitarbeitenden des Vereins "Gefangene helfen Jugendlichen" anders. Die wissen Bescheid, weil sie alles selbst erlebt haben: Kriminelle Karrieren, Drogen, Knast.

Zwei von ihnen waren jüngst im Förderzentrum West in Ratingen in NRW zu Besuch und erzählten 40 Schülerinnen und Schülern, wie die Wirklichkeit aussieht: Dirk, ein respekteinflößender großer Kerl mit Bauch, Spitzbart und voller Tattoos, der acht Jahre im Gefängnis für bewaffneten Drogenhandel gesessen hat. Claudia, schmal, aber selbstsicher. Man sieht ihr an, dass sie Einiges mitgemacht hat im Leben. Sie bekam mehrere Bewährungsstrafen und landete nach schwerer räuberische Erpressung mit Körperverletzung schließlich im Maßregelvollzug. Als die beiden anfangen, ihre Geschichten zu erzählen, wird es mucksmäuschenstill im Klassenraum.

Hier können Sie das hörenswerte Radiofeature des WDR downloaden.


 

Bedeutung & Gewicht protektiver Faktoren bei der Einschätzung des zukünftigen Gewaltrisikos im Maßnahmenvollzug gem. § 21 Abs.1 StGB (AU). Ergebnisse einer Masterthesis.

Wenngleich der Fokus therapeutischer Konzepte des Maßnahmenvollzugs auf die Stärkung der Ressourcen und der Resilienz der Untergebrachten gerichtet ist, erfolgt die Einschätzung eines zukünftigen Gewalt- und Deliktrisikos bei Personen im forensischen Kontext traditionellerweise über die Risikoerfassung. Die überwiegende Mehrzahl an forensischen Risikoerfassungsinstrumenten messen die Risikofaktoren, während Schutzfaktoren, die einen potenziell eindämmenden oder moderierenden Effekt auf Risikofaktoren haben können, nicht ausreichend beachtet werden. Eine somit einseitige, risikodominierte Einschätzung lässt wesentliche Ressourcen außer Acht, die bei einer ausgewogenen Beurteilung des Risikos im Hinblick auf eine mögliche Resozialisierung und bei der Auswahl und Planung der Interventionen im Maßnahmenvollzug von Bedeutung sind. Ein sinnvolles Risikomanagement mit Ziel einer Rehabilitation und Verhinderung erneuter Delinquenz muss folglich nicht nur eine Abschwächung der Risikofaktoren, sondern insbesondere eine Stärkung protektiver Faktoren beinhalten. Im Rahmen der Erstellung einer Masterthesis an der FH Campus Wien wurde die Bedeutung von protektiven Faktoren bei der Bewertung eines zukünftigen Gewaltrisikos bei geistig abnormen RechtsbrecherInnen untersucht. (vgl. Hillebrand-Wiesinger 2016) Ziel war es, mit Hilfe qualitativer Methoden die protektiven Faktoren bei der Risikoeinschätzung eines möglichen Rückfallrisikos nach einer bedingten Entlassung aus dem Maßnahmenvollzug nach § 21 Abs.1 StGB zu erheben und deren Gewicht bei einer Rückfallprognose einzuschätzen.

Veröffentlicht in: Soziales Kapital. Wissenschaftliches Journal österreichischer Fachhochschul-Studiengänge Soziale Arbeit.


 

Stellungnahme der DGSP zu Peer-Involvement, Peer-Support/Peer-Arbeit

Stellungnahme zu Peer-Involvement, Peer-Support/Peer-Arbeit

Die DGSP unterstützt die Empfehlung der „S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“, dass „Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen [...] Peer-Support [...] zur Stärkung des Recovery-Prozesses und der Förderung der Beteiligung an der Behandlung angeboten werden [sollte].“ In der Praxis brauche es aber fördernde Rahmenbedingungen. Lesen Sie [hier] die Stellungnahme.


 

Gefangene helfen Jugendlichen - eine Initiative zur Prävention von Kriminalität & Gewalt bei Jugendlichen und zur Wiedereingliederung Gefangener in die Gesellschaft

Eine Initiative von Inhaftierten.

1996 hatten drei Inhaftierte der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel die Idee zu einem Verein.

Das Ziel: Insassen der JVA erhalten eine Aufgabe, indem sie im Bereich der Kriminal- und Gewaltprävention für Jugendliche arbeiten.

Die Projektkonzeption wurde in Zusammenarbeit mit der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung sowie der Justibehörde erarbeitet. Nach einer Erprobungsphase im Jahr 1998 hat sich das Projekt der JVA-Besuche mit Jugendlichen durchgesetzt und wird seitdem als Kernprojekt des Vereins betrieben.

Gefangene helfen Jugendlichen e.V. ist seit 2001 ein eingetragener Verein und hat seit 2005 die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe.

Den Schwerpunkt des Besuchs vor Ort legt das Team von Gefangene helfen Jugendlichen e.V. in das Gespräch zwischen delinquenten Jugendlichen und ausgewählten, verantwortungsvollen Insassen, die ihre Taten bereuen. Der Gefängnisbesuch und die Konfrontation mit den Biografien der Insassen soll die Gedanken zur Lebensplanung- und -auffassung der Jugendlichen erreichen. Er soll Irritationen in die Klischees und Stereotype der Jugendlichen von Kriminalität, Gefängnis und Gewalt bringen. Es ist ein Denkanstoß. Denken und Handeln müssen die Jugendlichen selbst.

Nähere Informationen & Kontaktdaten bietet die Homepage der Initiative.


 

Informationen zum Therapieangebot "stopp - bevor etwas passiert" der Behandlungsinititative Opferschutz.

 

Therapieangebot

Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) bietet im Rahmen ihres allgemeinen Präventionsprojektes Keine Gewalt- und Sexualstraftat begehen mit dem Programm

„Stopp – bevor was passiert!"

Therapien für Personen an, die sich zu Kindern und Jugendlichen hingezogen fühlen. Grundlegendes Ziel der Behandlung von Tatgeneigten ist die Verhinderung eines -erstmaligen- gewalttätigen oder sexuellen Übergriffs. Das Projektangebot steht allen Teilnahmewilligen offen, die sich selbst melden oder von Dritten vermittelt werden und sich zu einer therapeutischen Behandlung bereit erklären.

Nähere Informationen & Kontakt [hier].


 

Deutscher Viktimisierungssurvey 2017. Opfererfahrungen, Kriminalitätsbezogene Einstellungen sowie die Wahrnehmung von Unsicherheit und Kriminalität in Deutschland.

Nähere Informationen [hier].


 

Florenz, Familie & Forensik

 

Im strahlenden Sonnenschein durfte der Fachausschuss Forensik im vergangenen Jahr Florenz besuchen und sich die aufgelösten italiänischen Psychiatriestrukturen erläutern lassen.

Auf unglaublich viel Freundlichkeit warenen die 20 Teilnehmenden getroffen und hatten im Überschwang der toskanischen Sonne eine Gegeneinladung ausgesprochen.

Am 3./4./5. April 2019 war es nun soweit, der Gegenbesuch fand in Berlin statt. Hier gibt es Eindrücke zum nachlesen. Weitere Unterlagen, Tagungsberichte etc. folgen im Kürze.


 

FORDERUNGEN zur Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen des psychiatrischen Maßregelvollzugs und des Maßregelrechts

Die Verbände des Kontaktgespräch Psychiatrie haben auf drei Tagungen (2015 in Berlin, 2016 in Kassel, 2017 in Bad Boll) über den Zustand und über Entwicklungsbedarfe des psychiatrischen Maßregelvollzugs diskutiert. Insbesondere in der Tagung 2017 wurden neben rechtlichen Fragen auch Erfahrungen der Praxis aus vielen Bundesländern zusammengetragen. Dabei wurde auch deutlich, dass es unterschiedliche Positionen zum Maßregelvollzug bei den Psychiatrie-Erfahrenen und den Angehörigenvertretungen gibt, in denen notwendigen Änderungen aber auch die Abschaffung gefordert werden.

Die Verbände wollen mit dennachfolgenden Forderungen und Vorschlägen dennoch den fachöffentlichen und politischen Diskussionsprozess eröffnen und zu einer nachhaltigen Veränderung des Maßregelvollzugs und des Maßregelrechts beitragen.


 

+ Bewertung des Maßregelvollzugs +

Recht und Verbraucherschutz/Antwort Berlin: (hib/mwo)

Für eine fundierte Bewertung des 2016 beschlossenen Gesetzes zur Novellierung des Rechts der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß Paragraf 63 des Strafgesetzbuches (Maßregelvollzug) ist es nach Ansicht der Bundesregierung zu früh. Das schreibt das Bundesjustizministerium in der Antwort (19/4959) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (19/4589). Die bisherigen Entscheidungen der obergerichtlichen Rechtsprechung ließen erkennen, dass die Neuregelungen von den Gerichten im Wesentlichen so angewandt werden, wie dies vom Gesetzgeber intendiert war. Die Bundesregierung sehe derzeit keinen Änderungsbedarf.